Vorläufiger 2009er Jahrgangsbericht »

Unser „erster“ Jahrgang mit neuem Team zeigt, dass schwierige Umstände oft zu Gutem führen können. Die Vegetationsperiode fing erst ganz „harmlos“ mit einem warmen Frühling, und daraus resultierend einem extrem frühen Austrieb an, auf den eine ebenso frühe Blüte folgte. In die Blüte hinein brach das Wetter förmlich zusammen, mit Starkregen und einem großen Temperatursturz, mit der Folge einer sehr langen Blütezeit und vielen einzelnen unbefruchteten Beeren (was sich Qualitätsfördernd zu einer extrem kleine Ernte mit unter 35 hl/ha entwickelt hat) und einem zeitlich deutlich differierendem Entwicklungsstand der Trauben (selbst an einem gemeinsamen Trieb). Daraufhin machte uns auch der Frühsommer erhebliche Sorgen, da wir über einige Wochen fast täglich mit einer fast tropischen Situation konfrontiert wurden, tagsüber warm, am späten Nachmittag ausgiebiger Regen, so dass die Reben fast jeden Tag mit nassen Blättern, aber hohen Temperaturen „ins Bett“ gehen mussten. Die daraufhin zu befürchtenden Probleme haben uns dann aber überraschend milde getroffen.

Doch was den Pilzen Freude macht, befördert auch die restliche Vegetation, so dass sich im Spätsommer eine sehr frühe Ernte ankündigte, die durch einen, wie maßgeschneiderten, sonnigen Herbst mit kühlen Nächten, dem Jahrgang die nötige Vollendung brachte und in dem wir, auch mit etwas Glück, am Vorabend eines neu eintreffenden Tiefdruckgebietes auf den Punkt mit der Lese fertig geworden sind.

Die Mostgewichte lagen im Schnitt bei perfekten 95° Öchsle mit einigen edelsüßen Ergänzungen und wir freuen uns über eine reife, milde, aber prägnante Säure. Im frühen, noch hefetrüben Stadium, präsentieren die Jungweine eine exotische Frucht und eine deutliche, fast salzige Mineralität.

Erster Jahrgang mit neuem Team »

Unser „erster“ Jahrgang mit neuem Team zeigt, dass schwierige Umstände oft zu Großem führen können. Die Vegetationsperiode fing erst ganz „harmlos“ mit einem warmen Frühling, und daraus resultierend einem extrem frühen Austrieb an, auf den eine ebenso frühe Blüte folgte.

In die Blüte hinein brach das Wetter förmlich zusammen, mit Starkregen und einem großen Temperatursturz, mit der Folge einer sehr langen Blütezeit und vielen einzelnen unbefruchteten Beeren und einem zeitlich deutlich differierendem Entwicklungsstand der Trauben (selbst an einem gemeinsamen Trieb).

Daraufhin machte uns auch der Sommer erhebliche Sorgen, da wir über einige Wochen fast täglich mit einer fast tropischen Situation konfrontiert wurden, tagsüber warm, am späten Nachmittag ausgiebiger Regen, so dass die Reben fast jeden Tag mit nassen Blättern „ins Bett“ gehen mussten.

Die daraufhin zu befürchtenden Pilzkrankheiten haben uns dann aber nur recht milde getroffen. Was den Pilzen Freude macht, befördert auch die restliche Vegetation, so dass sich im Spätsommer eine sehr frühe Ernte ankündigte, die durch einen perfekten, sonnigen Herbst mit kalten Nächten, dem Jahrgang die nötige Vollendung brachte.

Die Mostgewichte lagen im Schnitt bei perfekten 95° Öchsle mit einigen edelsüßen Ergänzungen und wir freuen uns über eine reife, milde, aber ausreichende Säure.

Im aktuellen Stadium – alle Weine sind noch in der Gärung – zeigen sich die Moste fest und ausdrucksvoll mit einer recht exotischen Frucht – wir sind gespannt.

Wein der Woche: Riesling. Alles neu. »

Bericht unter www.captaincork.com von Manfred Klimek.

Der Captain back in Berlin. Der erste Riesling von Captains Winzer des Monats Gernot Kollmann. Und eine Kostprobe des Kommenden. Riesling neu. Mosel neu. Alles neu?

Gestern stand viel zu lesen über Gernot Kollmann, Captains Winzer das Monats Juni. Und auch über seinen Einfluss in anderen Weingütern, den erkennbaren Weg, den er sich dort zur Strasse gepflastert hat. Eine Sonderpersönlichkeit, Instinkt und Fingerspitze konbinierend. Und, wie Bekannte sagen, auch ein kluger, neugieriger und weltnaher Mann.

Seit einem Jahr werkt Kollmann beim zuvor etwas heruntergewirtschafteten Traditionsbetrieb Immich-Batterieberg in Enkirch an der Mosel. Von der Kollektion dieses mehr als interessanten ersten Jahres ist noch nicht viel am Markt; der Captain trank eine beigestellte Flasche C.I.A Riesling Kabinett, das Erstlingswerk, die Einzelmeinung, das bislang Veröffentlichte.

Kollmann hat einen sehr reduktiven, sehr klaren Stil, der auf Ausdruck und Dominanz setzt. Hier hinein noch Eleganz zu bringen, gleicht einem Kunststück. Es gelingt. Das JAhr 2009 war an der Mosel von einem späten Frühjahr geprägt. Der perfekte Herbst hat ein gutes Jahr finalisiert.

Ein Wein zwischen Frucht und Stein

Im Glas ein mittelgelber Saft mit grünen Nuancen an den Rändern. In Captains Flasche eine leichte Trübung. In der Nase dann zuerst viel Salz, Mineralität, ein grüner Salat, mit Hesperidenessig angemacht und in der Kälte eines Kühlschranks aufbewahrt, ein Bachbett in den Voralpen mit Kieselsteinen drin, ein Eisenbahngleis mit Betonschwellen in der Sonne. Weniger Frucht als angenommen; nach einer halben Stunde jedoch sehr fruchtig mit viel Zitrusnoten. Unbedingt dekantieren.

Limette, Mandarine, Zitrone, Pfirsich. Aber auch ein bisschen grüne Birne und unreifer Apfel. Dann wieder Salz. Auch etwas weißer Pfeffer. Nichts setzt sich durch, nichts will nach oben, an den Spitze. Ein Merkmal der Spontanvergärung.

Im Mund dann eine Extradosis Mineralität, Schiefer, Kiesel. Auch wenn Experten behaupten, dass man das nicht schmecken kann. In Hintergrund Steinobst und bei späterer Stunde mehr Apfel und Zitrone. Hohe und präsente Säure. Und auch Restsüße, der Wein, so schreibt Blogger Marco Datini, scheint wohl während der Gärung steckengeblieben zu sein (11% Alkohol).

Im Fazit ein hochinteressanter, etwas raubeiniger Riesling mit unzähligen Merkmalen, die auf einen sehr ungewöhnlichen Winzer schließen lassen. Der Captain hätte den Riesling von Kollmann nach Rheinhessen getan. Oder nach Luxemburg. Für einen Kabinett sehr einprägsam, nicht einfach und wahrscheinlich extrem lange lagerfähig.

Riesling C.A.I. 2009 Kabinett von Immich-Batterieberg derzeit noch ab Weingut direkt. Preisinformation folgt, nachdem der Captain mit Gernot Kollmann telefoniert hat, der derzeit im Flugzeug sitzt.

Winzer des Monats: Gernot Kollmann »

Bericht unter www.captaincork.com von Manfred Klimek.

Ein Neustart, eine Vermutung, ein Vorschuss. Gernot Kollmann ist seit 2009 Önologe des Weinguts Immich-Batterieberg. Und er wird den deutschen Riesling maßgeblich verändern. Wenn man ihn lässt.

Die Winzer des Monats beim Captain sind immer aussergewöhnliche Winzer. Önologen oder önologische Quereinsteiger, die für eine Idee oder eine Richtung stehen. Oder einfach nur für sich selbst. Gernot Kollmann ist kein Quereinsteiger, auch kein engagierter Amateur, wie man ihn hier schon finden konnte; Gernot Kollmann ist ein Profi, wahrscheinlich einer der besten Winzer Deutschlands Er arbeitete nach abgeschlossenen Weinwirtschaft-Studium für das Bischöfliche Weingut in Trier. Als Berater bei Knebel. Und davor auch bei Van Volxem, einem ausgewiesenen Lieblingsweingut des Captains und im Rotweinbereich bei Jakob Sebastian an der Ahr.

Seit einem Jahr arbeitet Kollmann beim Weingut Immich-Batterieberg, einem der ältesten und berühmtesten Weingüter in Enkirch an der Mosel. Zuletzt war Immich-Batterieberg in der Gunst der Konsumenten und Kritiker stark gesunken, ein Eigentümerwechsel (das Weingut gehört seit wenigen Monaten zwei Hamburger Familien) sorgt nun für gewisse Stabilität. Und Gernot Kollmann muss den einst so guten Immich-Ruf wiederherstellen. Mit seinem ersten Jahrgang, dem Jahrgang 2009.

2009: Das ist der Beweis (Tocotronic)

Immich-Batterieberg ist den meisten deutschen Weintrinkern ein Begriff, weil sie das Label gut kennen, das Etikett von Immich, kurios, putzig und kriegerisch zugleich: Zwei kleinwüchsige Engel ballern mit einer Kanone, die eine Weinflasche als Rohr hat, auf ein imaginäres Ziel hinter satt bestückten Weinreben. Der Batterieberg, die Spitzenlage der langjährigen Besitzerfamilie Immich, hat seinen Namen von seiner „Gestaltung“, er wurde Mitte des vorletzten Jahrhunderts mit mehreren Sprengbatterien zur Weinlage „geformt“. Heute würden die Grünen daraus ein Wahlkampfthema machen und die Familie Immich könnte wohl auswandern.

Mit den neuen Besitzern wurde alles überarbeitet, auch das einprägsame Etikett. Diese gelungene Modernisierung sollte einigen Weingütern mit ähnlicher Problematik (z.B. Knoll in der österreichischen Wachau) ein gutes Beispiel sein. Wesentlich moderner noch ist der Zugang zum Wein. Die neuen Eigentümerfamilien scheinen gewillt zu sein, mit dem Winzer Kollmann einen spektakulär andersartigen Weg einzuschlagen.

Der Captain kann wenig über Kollmanns ersten Jahrgang berichten, er hat nur eine Flasche, den Riesling Kabinett C.A.I. 2009 zugespielt bekommen. Von jemandem, der es gut mit dem Captain meint. über diesen Wein dann morgen mehr. Doch der Wein alleine zeigt schon, was sich da andeutet. Ein Richtungswechsel, eine Zeitumstellung. Aber auch eine Korrektur, eine Konfliktprognose. Alles kann anders werden. Und: Es ist ein ungewöhnlicher Weg.

Gebote brechen, Neues festigen

Kollmann bricht mit vielen Geboten, nimmt aber den Ball der Tradition auf. Immich-Batterieberg sieht seine Weine im Gefolge der Bezeichnung „naturrein“, eine Darstellung, die bei der Deutschen Weinrechtsreform von 1971 ad acta gelegt wurde. Kollmann setzt auf Spontanvergärung und vermeidet jede Hilfestellung, also Zuchthefe, Enzyme, Eiweißstabilisatoren und Klärhilfen. Die Weine liegen lange auf der Hefe und werden entweder im Stahltank oder im großen Holzfass ausgebaut.

Trocken und Terroir

Was folgt, sind ungewöhnliche Säfte, Weine, die so gar nicht in der (imaginierten) Tradition der Mosel ankern. Kraftvolle und mineralisch-terroirbetonte Weine (Schiefer), die sich durch zurückhaltende Säure und lange Lagerfähigkeit auszeichnen. Und der neue Weg ist wohl auch eine mögliche Abkehr von der Restsüße, ein Hinwendung zum trockenen Riesling. Mit allen Folgen, vor allem in durchwachsenen Jahrgängen. Wer sich das traut, muss seinem Handwerk trauen. Kollmann tut das.

So steht Kollmann und Immich-Batterieberg für die Erkenntnis, dass sich etwas ändern muss, damit alles gleich bleibt. Die Tradition dieser wohl traditionellsten Weinregion Deutschlands bleibt der Leitartikel des ständig neu zu schreibenden Blattes. Doch die Chefkommentatoren wechseln. Gerade eben wieder.